Donnerstag, 1. Juli 2010

Nix für Warmduscher


Es ist Sommer in Moskau. Schon seit Wochen - ach eigentlich seit Februar - erfreut uns eine sehr stabile Wetterlage mit herrlichem Sonnenschein. Es gab diese wunderbaren klaren, klirrend kalten Wintertage. Und seit Mitte Mai verwöhnt uns die Sonne auch mit sommerlichen Temperaturen, nur unterbrochen von dem ein oder anderen heftigen Gewitter. Es ist heiß. Sehr heiß in der Stadt.

Sommer in Moskau heißt aber auch, dass es für einige Wochen kein warmes Wasser gibt. Jedes Jahr werden die Warmwasserleitungen mit irgendwelchen Chemikalien durchspült und gereinigt. Dazu werden je nach Stadtteil irgendwann zwischen Juni und August für zwei bis drei Wochen die heißen Hähne zugedreht. Das heißt, wir haben seit vorgestern nur noch kaltes Wasser zur Verfügung.

So bleiben uns nur drei Möglichkeiten:

1). Stinken. Das geht bei der Hitze auch recht schnell und scheint für einige Bewohner der Stadt eine echte Alternative zu sein. Die Nasenabenteuer im öffentlichen Nahverkehr sprechen da eine deutliche Sprache.

2). Kalt duschen. Brrrr. Nix für mich. Ich habe es wirklich versucht. Und ganz schnell wieder die Flucht ergriffen. Nein, ich kann das einfach nicht. Und Haare waschen mit kaltem Wasser erst recht nicht. Nein. (Allerdings werden die Röcke der Russinnen bei den aktuellen Temperaturen immer kürzer, weshalb eine kalte Dusche für die Herren der Schöpfung durchaus hilfreich sein mag...)

Also doch die geruchsintensive Variante?

Zum Glück gibt es noch eine dritte Möglichkeit.

3). Wannenbad wie zu Omas Zeiten. Dazu mehrere Pötte Wasser auf dem Herd erhitzen und in der Badewanne mit kaltem Wasser mischen. Der gute alte Waschlappen hilft ungemein. Sehr erfrischend. Und wassersparend.

Abenteuer Moskau.

Freitag, 25. Juni 2010

Schulfestmarathon


Montag: Sportfest in Schule 2 der großen Tochter.
Anfeuern, fotografieren, applaudieren.
Schwitzen bei sonnigen 28 Grad.

Dienstag: Schulfest in Schule 2 der großen Tochter.
Essen, unterhalten, mithelfen.
Schwitzen bei sonnigen 30 Grad.

Mittwoch: Sport- und Schulfest in Schule 1 der kleinen Tochter.
Anfeuern, fotografieren, applaudieren, essen, unterhalten, mithelfen.
Schwitzen bei sonnigen 33 Grad.

Ausbeute:
- ein gewonnener Pokal des Houseteams der großen Tochter in Schule 2
- mehrere kleinere Gewinne in der Verlosung
- ein großer Gewinn und damit Erfüllung eines lang gehegten Teddybärentraum des großen Kindes (uff!!!)
- ein leichter Sonnenbrand bei mir
- neue Bekanntschaften samt Telefonnummern
- nette Gespräche

- neue Erkenntnisse über den Geisteszustand mancher Menschen (Kopfschütteln!!!)

Nächste Woche geht es nach Deutschland bis Ende August. Erholung bitter nötig.

Ende.

Dienstag, 15. Juni 2010

Datschaland


Manchmal muss man einfach raus. Raus aus dieser riesigen Stadt. Sich vergewissern, dass sie auch wirklich irgendwo ein Ende hat.

Da am Samstag schönes Wetter war, haben wir nach dem Frühstück recht spontan unsere Sachen gepackt und sind rausgefahren.

Und ja, die Stadt hört irgendwann auf. Der Stau aber noch lange nicht.

Unser Ziel war nur ca. 50 km entfernt, ein großer See, von dem wir uns schöne Ausblicke, kühlendes Nass, viel Natur und frische Luft erhofften. Alles das fanden wir auch, aber erst nach gut 2 Stunden, in denen es nur im Schritttempo voranging.

Denn dort wo der See ist, ist auch Datschaland. Da stehen die urigen kleinen Holzhäuschen, dicht an dicht auf winzigen Grundstücken. Oft von hohen Gräsern umhüllt, von Obstbäumen umringt, inmitten sehr grüner Landschaft. Da verbringen die Russen im Sommer jede freie Minute. Und da fahren leider alle meist zur selben Zeit hin. Zähfließender Verkehr. Ein Wort, das sich passender nicht anhören könnte.

Datscha kommt vom russischen Wort "dath", was so viel heißt wie "geben". Denn nach der Revolution bekam jeder Moskauer ein Stück Land vor den Toren der Stadt zugesprochen. Es wurde ihm gegeben und er baute ein Häuschen darauf, in dem er fortan den Sommer verbrachte.

Heute sind viele Datschen zu richtigen Wohnsitzen geworden. Wenn man durch die Siedlungen fährt, sieht man leider nur noch wenige der urigen Holzbaracken, grün oder blau angemalt mit Schnitzereien und Spitzengardinchen hinter den Fenstern.

Je näher man der Stadt ist, desto weniger ist übrig vom alten russischen Charme. Auf den immer noch kleinen Grundstücken werden immer mehr, immer größere Villen gebaut. Sie stehen dicht an dicht. So dicht, dass man sich fragt, warum die Leute nicht gleich in der Stadt bleiben. Mir würde bei der Enge dort die Luft wegbleiben.

Wie dem auch sei, wir verbrachten einen netten Nachmittag am See. Nicht weiter der Rede wert. Ein pupsnormaler Familienausflug. Am Abend reihten wir uns wieder ein in die Blechlawine, die sich durch Datschaland zurück in die Großstadt schlängelte.

Sie hört auf die Stadt, irgendwo im Datschaland.